Volltreffer

Umkreis stimmte, der Ort und der komplette Name stimmte. Zufall? Nein, das konnte kaum sein, da sie einen sehr seltenen Doppelnamen hat und der Vorname stimmte auch. Deshalb war ich mir zu 99,9% sicher, dass sie es ist.

Ich rief dann meine Tochter „Ich habe sie gefunden!“ „Was, wen hast du gefunden?“ kam es aus der Küche. Ich sagte „Ich habe meine Mutter gefunden“. Sabrina schaute und sagte auch, dass sie das wohl nur sein könnte, weil alles passte.

Wie man sich vorstellen kann, war ich ganz schön aus dem Häuschen, denn die Gefühle fuhren mal wieder Achterbahn. Ich stand vollkommen neben meinen Schuhen, wie man so schön sagt.

Das erste Ziel war erreicht, aber wie geht es weiter? Wie nehme ich nun den ersten Kontakt auf? Wird sie Kontakt aufnehmen wollen? Steht sie zu ihrer damaligen Entscheidung?

Es gehen einem tausende Fragen durch den Kopf. Überwiegend herrschte aber erst einmal die Freude über das erste erreichte Ziel. Die Nacht habe ich ziemlich wenig geschlafen. Sabrina und ich überprüften zur Sicherheit noch mal die Angaben mit dem Internet, aber das konnte sie nur sein.

Es blieb nun noch die Frage, was ist mit meinem Vater? Lebt er noch? Wenn ja, wo? Dass dieses nicht so einfach wird, war uns klar, denn diesen Namen gibt es deutlich öfter. Wir beschlossen dann, am nächsten Tag beim Jugendamt anzurufen.

Wie abgesprochen rief ich dann gleich am nächsten Tag bei meiner Sachbearbeiterin an und teilte ihr unsere Ermittlungen mit. Sehr erfreut schien sie über unsere schnellen Ermittlungen nicht zu sein. Wir waren nun aber auch super schnell. Ich konnte es selber kaum glauben, wie schnell man einen Menschen nach fast fünfzig Jahren finden kann. Es ist ja schon fast erschreckend.

Da sie meine Mutter nun schon angeschrieben hatte, bat sie uns mindestens zwei bis drei Wochen mit dem Anschreiben zu warten. Das habe ich ihr versprochen und habe mich auch an ihren Rat gehalten. Es fiel aber verdammt schwer, muss ich gestehen. Zwei Wochen später habe ich sie dann selber angeschrieben. 
Sie sagte auch, dass sie in Richtung meines Vaters noch nichts unternommen hatte.

Es war Mittwoch und die Behörden hatten alle zu. Ich hatte im Telefonbuch einen komplett gleichen Namenseintrag in der näheren Umgebung gefunden. Diesem wollte ich über das Meldeamt nachgehen. Dann sollten wir Bescheid geben, wenn wir etwas erreicht haben. Wenn er es nicht ist, wollte sie sich auf die Suche nach meinem Vater machen. Über das Meldeamt stellte sich heraus, dass es ein anderer Herr gleichen Namens war.
Ich entschloss mich dann, selber die „Spurensuche“ weiter aufzunehmen, denn ich wusste ja nun, wie schnell es gehen kann und wie ich vorgehen muss.

Daher stand dann unser Reiseziel für den nächsten Tag fest. Es war das Geburtenstandesamt meines leiblichen Vaters.
Dort, am Donnerstag, angekommen erhielt ich dann die Mitteilung, dass er bereits 2001 verstorben war. Ich ließ mir für alle Fälle eine Sterbeurkunde von meinen leiblichen Vater aushändigen. Ahnte ich doch, dass ich sie gebrauchen würde, auch wenn ich noch nicht wusste wofür.

Damit wusste ich auch, wo er zuletzt gewohnt hat, zumindest den Ort, und dass er auch ein zweites mal verheiratet war. Der Name der Witwe stand auch auf der Urkunde. Ob die Dame noch lebt, habe ich dort nicht in Erfahrung bringen können. Da habe ich kein Auskunftsrecht mehr.
 Es war für mich schon eine Enttäuschung und eine gewisse Traurigkeit überkam mich schon, dass meine Suche zu spät war. Ändern konnte ich da natürlich nichts dran. Ich hatte gleich gesehen, dass da noch ein Vermerk ganz unten stand, dass war der Sterbeeintrag. Der Beamtin tat das sehr leid, das sah man ihr an.

Sie konnte nichts anderes machen, als dieses mir offiziell mitzuteilen.
 Damit war die Suche nach meinen leiblichen Eltern beendet, aber nicht die Ursachen beziehungsweise die Gründe. Zum anderen war der Kontakt zu meiner Mutter immer noch nicht hergestellt.

©: Heidrun