Veronika

Meine Ahnenforscherin kam bei ihren Ermittlungen nicht so recht voran. Da die Adresse und Telefonnummer bekannt war rief sie meine Mutter an.

Sie war wohl sehr aufgebracht am Telefon, dadurch erkannte sie, dass sie psychisch krank sein müsste. Teilweise wurde meine Ahnenforscherin von ihr auch mächtig angeschrieen, sie ließ sich dadurch nicht beeindrucken und schrieb ihr noch einmal einen sehr netten Brief hinterher. In diesem erklärte sie ihr noch einmal die Beweggründe meiner Suche. Diesen Brief zeigte meine Mutter dann Veronika.Ich denke mal, dass sie diesen Brief am Freitag erhielt, und hatte sich dann gleich, am Montag, daraufhin mit der Ahnenforscherin in Verbindung gesetzt.

Man glaubt es kaum, sogar unsere Mutter war aufgeregt und fragte öfter, ob sie schon was bei der Ahnenforscherin erreicht hatte. Mit der Ahnenforscherin hatte es wohl nicht gleich beim ersten Mal geklappt. Meine Mutter fragte dann auch wohl, ob ich mich nun schon gemeldet hätte, da ich arbeiten war, konnte ich es noch nicht gemacht haben. Also ganz schön neugierig. Einen direkten Kontakt zu mir lehnt sie weiterhin ab.

Kontaktaufnahme zu meiner Schwester Veronika

Es war Ende Januar 2008 am folgenden Montag, 14.30 Uhr, ich bin gerade von der Arbeit aus zu Hause angekommen, da klingelte mein Telefon. Es war meine Ahnenforscherin, welche mich als erstes fragte, ob ich bequem sitze. Hm? Wieso? Wir hatten doch erst Mittwoch miteinander gesprochen.
Dann berichtete sie mir, dass sie alle meine fünf Geschwister/ Halbgeschwister gefunden hatte. Es war natürlich Freude pur und es begann wieder die Achterbahnfahrt der Gefühle, denn so schnell hatte ich nun überhaupt nicht damit gerechnet. Mit vier Geschwistern hatte ich, durch die Angaben vom Jugendamt, gerechnet.

Sie gab mir ein paar kleine Anhaltspunkte, worauf ich besonders Rücksicht nehmen sollte. Das meine Mutter psychisch sehr krank ist und deshalb der direkten Kontaktaufnahme noch nicht zustimmte. Sie meinte gleichzeitig, es wird schon, braucht halt noch Zeit.
Sie erzählte mir dann auch, dass meine Schwester von einer Zwangsadoption betroffen sei, wodurch sie ihren Sohn Mathias verlor. Ich sollte deshalb sehr behutsam mit ihr umgehen. Weiterhin berichtete sie noch, dass ich entweder gleich oder nach 19.00 Uhr bei ihr anrufen könnte. Weiterhin wünschte sie mir vom ganzen Herzen alles Gute, was wirklich so auch rüber kam und auch so gemeint war. Sie freute sich für mich mit, das hat man richtig bei dem Gespräch gespürt.

Die Ahnenforscherin ist selber eine Betroffene und kennt sich da in den Gefühlen und Belangen Suchender bestens aus. Das entsprechende Feingefühl und die Erfahrung waren vorhanden, was ich als sehr angenehm empfunden hatte. Das Verstehen Betroffener untereinander ist doch schon etwas Besonderes, denn die Chemie stimmt, wie man so sagt.

Angerufen habe ich natürlich sofort, denn bis 19.00 Uhr warten, das hätte ich bestimmt nicht gekonnt. Die Gefühle fuhren schon wieder mal Achterbahn und ich war viel zu aufgeregt, um dieses auf die lange Bank zu schieben.

Wie ist sie?
Gibt sie dir Auskünfte und beantwortet sie dir deine Fragen?
Hat sie Kontakt zur Mutter?

War eine blöde Frage, die mir da durch den Kopf ging, denn sie wohnte im gleichen Haus und kümmerte sich anscheinend um sie. Mal wieder neben der Spur, wie man so schön sagt. Nun reiß dich bloß am Telefon mit solchen Unsinn zusammen, sagte ich mir.

Dann rief ich meine jüngste Halbschwester Veronika an und sie hatte anscheinend schon darauf gewartet. Es war ein sehr nettes und auch sehr informatives Gespräch. Auch sie wohnt im gleichen Haus wie ihre Mutter, also auch meine, dieses wusste ich durch meine Ahnenforscherin schon.

Sie sagte mir, dass unsere Mutter den Tod des jüngsten Sohnes Sebastian (Suizid) und ihres zweiten Ehemannes nicht richtig verarbeiten konnte und ist dadurch psychisch Krank geworden. Meine Mutter hat vor allem Neuen panische Angst. (Deshalb wahrscheinlich die Reaktion am Telefon vor einem halben Jahr).

Den Brief vom Jugendamt hatte sie meiner Schwester nicht gezeigt. Veronika hatte diesen aus den Briefkasten geholt, dieses macht sie immer und hilft ihr bei der amtlichen Post. Obwohl Veronika ihr sagte, dass es wichtig sein könnte, zeigte sie ihr diesen nicht. Ach lass mal, hatte sie wohl daraufhin geantwortet, ich denke mal, sie ahnte etwas und meine Geschwister waren nicht informiert, dass es mich gibt.

Ich gehe mal davon aus, dass höchstens mein ältester Bruder Wilfried vielleicht etwas mitbekommen haben könnte, er war damals fünf Jahre alt, wenn er das jetzt hören oder lesen würde, könnte er einiges vielleicht richtig zuordnen und wir würden der Wahrheit ein großes Stück näher kommen.

Von meinen beiden Briefen und dem kurzen Telefonat wusste meine Schwester nichts. Meine Mutter zeigte ihr aber den Brief, welchen mein Rechtsanwalt an sie geschrieben hatte. Veronika meldete sich bei ihm und gab ihre Adresse und Telefonnummer bekannt, um sie an mich weiterzuleiten, dieses tat er aber nicht.

©: Heidrun