Suche nach Geschwister

Am 08.05.2007 erfuhr ich, dass ich noch Geschwister habe. Auf die Frage, wie viele, bekam ich die Antwort: „mehrere“. Auf Drängen von mir dann die Auskunft, dass sie älter sein sollen als ich. Das war die ganze Auskunft die mir gegeben wurde, aus Datenschutz natürlich.

Nun weiß ich auch, dass ich am 02.01.1962 zu meinen Pflegeeltern, späteren Adoptiveltern, gekommen bin. Seit dem 23.12.1961 war ich schon über Weihnachten auf „Urlaub“ bei ihnen. Meine genaue Heimzeit konnte mir bis heute keiner sagen.

Erst am 22.05.2007 erfuhr ich offiziell durch das Jugendamt, das ich noch mindestens zwei ältere Geschwister haben soll. Dieses wäre der Kenntnisstand bis zu meiner Adoption, aus Datenschutzgründen nicht mal Auskunft über Geschlecht und Alter.
Aufgrund des Erbrechtes wurde dann das Jugendamt vom Rechtsanwalt & Notar beauftragt, die Adressen der Geschwister ausfindig zu machen.

Mitte Juli 2007 erhielt ich einen Anruf vom Jugendamt, mit der Nachfrage, ob sich meine Mutter schon gemeldet hat. Auf nochmalige Anfrage habe ich nun erfahren, dass es sich um zwei Brüder, welche älter sind, handelt. Bis zu meiner Adoption. Über weitere Kinder weiß sie nichts.

Vornamen und Geburtsdaten scheint sie zu wissen, dürfte sie mir aber nicht sagen. Nun wollte ich doch nach fast fünfzig Jahren endlich wissen, wo ich mal in Wismar gewohnt habe. In Wismar haben meine Eltern und ich das ehemalige Heim nicht mehr angesehen. Warum das so war, kann ich heute nicht mehr sagen. Während meine Eltern mit mir, auf meinen Wunsch hin damals, in Wokuhl das Kinderheim mal angesehen haben. Es war noch ein Kinderheim. Reingehen wollte ich damals nicht. Warum? Diese Frage kann ich mir bis heute selber nicht beantworten.

Also machten wir uns auf den Weg nach Wismar, um das alte Heim zu finden. Die mir bekannte Adresse war es auf keinen Fall? Es kann doch nicht verschwunden sein, zumal es ein sehr bekanntes Haus war und unter Denkmalschutz steht.

Daraufhin habe ich dann das Stadtarchiv Wismar angeschrieben, da wir das Heim nicht gefunden haben. Ein paar Tage später erhielt ich eine E-Mail vom Stadtarchiv mit der Aussage, dass sie wohl meine Karteikarte gefunden haben, sie gab mir einen falschen Geburtsort an. Ich gab noch einige Daten von mir an das Stadtarchiv. Am 04.08.2007, als ich von der Arbeit kam, war ein großer Briefumschlag vom Stadtarchiv für mich im Briefkasten.

Inhalt:

Alte Bilder vom Heim, ein paar Zeitungsausschnitte, die das Heim betrafen und was mich sehr wunderte, die noch vorhandenen Schriftstücke zwischen Rat des Kreises Wismar und meiner leiblichen Mutter, zwecks meiner Heimaufnahme. Auch der Aufnahmeantrag war dabei. Dort waren die Daten meiner beiden älteren Brüder mit Geburtsdaten enthalten. Es handelt sich um Paul Wagner, geb.1953 und Wilfried Wagner, geb. 1955.

Es wurden dort auch einige Gründe, welche zur Abgabe führten, deutlich. Dieses zu erfahren war erst einmal ein Schock, welcher verarbeitet werden will. Mitte August hatte ich nun erfahren, dass meine beiden Brüder in Wismar geboren wurden. Damit konnte ich das zuständige Geburtenstandesamt, in Wismar, anschreiben.

Noch eine Antwort erhielt ich Ende August vom Stadtarchiv mit dem Hinweis, ich sollte mich an das Kreisarchiv Nordwestmecklenburg wenden. Sie hatten mir auch gleich die Telefonnummer der zuständigen Mitarbeiterin genannt.
Ich rief dann bei der Frau Konrad an, sie hat einige Angaben von mir bekommen und will nun mal nachsehen, ob sie etwas herausfindet. Sie kann auch über eventuelle weitere Adoptionen Auskunft geben. Jetzt heißt es wieder warten.

Am 20.09.2007 erhielt ich einen Brief vom Standesamt in Wismar, dass mir keine Abstammungsurkunde oder Geburtsurkunde meiner Brüder zustehen. Dies obwohl ich ein rechtliches Interesse habe (Erbrecht). Anruf bei meinem Rechtsanwalt, er will diese anfordern.

Der Rechtsanwalt hat das Standesamt, laut Aussage der Sekretärin, am 24.09.2007 angeschrieben. Wir haben fast Mitte Oktober und immer noch keine Reaktion vom Rechtsanwalt. Habe dann mal angerufen und er sagte mir dann, wenn er die Urkunden hat, sagt er mir Bescheid. Da mir das so langsam etwas zu lange dauerte, habe ich mich entschlossen beim Kirchlichen Suchdienst zu erkundigen.

Ich habe am Telefon ein paar grundsätzliche Fragen gestellt. Da diese zu meiner Zufriedenheit beantwortet wurden, habe ich mich entschlossen, dort eine Suchanzeige aufzugeben. Dies tat ich dann gleich am Nachmittag. Ich hoffe, dass sie etwas schneller sind als die anderen Behörden. Zwei Anfragen dürften eigentlich ziemlich schnell gehen, da dies zwei aktuelle Adressen waren. Das andere dürfte etwas länger dauern, aber was hilft es, ich muss jetzt wieder abwarten.

Bis zum 25.10.2007 immer noch keine Antworten. Weder vom Rechtsanwalt, noch vom Suchdienst. Anruf beim Rechtsanwalt: Wismar hat sich immer noch nicht gemeldet.

Dem Suchdienst werde ich, da es mehrere gesuchte Personen sind, natürlich noch etwas Zeit geben. Teilweise sind die Adressen auch schon etwas älter, so dass sie unter Umständen mehrere Ämter anschreiben müssen.

Ende Oktober endlich Post vom Rechtsanwalt. Er bekommt keine Urkunden vom Standesamt in Wismar, angeblich ist das Verwandtschaftsverhältnis aufgehoben. Verstehe ich nicht, da ich auch erbberechtigt bin, genau wie meine Geschwister. Da für mich die Sonderregelung zutrifft. Warte auf einen Rückruf vom Rechtsanwalt. Dieser erfolgte leider nie. Ich kündigte daraufhin mein Mandat bei ihm.

Seit einiger Zeit bin ich auf der Suche nach meinem Adoptionsvertrag, dieser ist laut Jugendamt nicht auffindbar. Meiner Sachbearbeiterin war dieses auch unverständlich. Sie wollte da noch mal genau nachforschen. Anfang November 2007 habe ich eine E-Mail bekommen. Nun haben sie endlich meinen Adoptionsvertrag im Archiv gefunden. Sie teilten mir nun auch das gewünschte Aktenzeichen mit.

Es wird jetzt geprüft, ob ich eine Kopie bekommen kann/ darf, wenn nicht, dann kann ich am 20.11.2007 Einsicht nehmen. Ich habe auch das Stadtarchiv in Wismar noch einmal angeschrieben, ob noch alte Krankenhausunterlagen vorhanden sind. Außerdem eine Anfrage, ob von meinen Brüdern irgendwelche Informationen vorliegen, die auf eine eventuelle Adoption hinweisen könnten. Leider nur negative Auskünfte.

Die Aufbewahrungsfrist der Krankenhausunterlagen ist verstrichen. Von meinen Brüdern konnten sie nichts finden.

Nun hatte ich mit meiner Sachbearbeiterin vom Jugendamt ein sehr langes Gespräch. Einsichtnahme hat sie mir aber kurzfristig nicht gewährt, obwohl es ja der Hauptgrund des Gespräches werden sollte. Natürlich wie immer aus Gründen des Datenschutzes. 
Rechtlich gesehen steht mir aber eine Einsichtnahme in dieses Dokument zu. Es wurde uns aus dem Vertrag vorgelesen. Sabrina beobachtete dabei aber, dass mindestens zwei bis drei Seiten überschlagen wurden. Wie immer, es kamen Neuigkeiten zu Tage.

Meine Mutter hatte Mitte März 1962 die Einwilligung nach einem Hausbesuches gegeben. Mein Vater gab Anfang Januar 1962 seine Einwilligung. Dabei stellte sich heraus, dass ich noch mindestens eine Halbschwester oder Halbbruder haben muss, denn in dem Bericht steht etwas vom vierten Kind. Es muss Anfang 1962 geboren sein. Weiß jetzt aber nicht 100%ig, ob ich da mit zähle oder nicht. Wenn nicht, dann müsste noch ein weiteres Geschwisterkind existieren. Sie grenzte dann den Bereich für die Suche etwas ein. Es gibt keinerlei Hinweise auf Adoptionen meiner älteren Brüder.

In den Unterlagen, welche ihr zur Verfügung stehen, sind keine Angaben zu meiner Person. Auch das ist für sie auch unerklärlich. Sie will aber im Archiv noch mal suchen lassen. Was ich vom Stadtarchiv habe, bezieht sich auf das Gesundheitsamt. Also kommt von dort. Was Jugendhilfe anbelangt, nichts. Genauso ging es ihr, nichts Direktes vom Jugendamt. Der nächste Punkt, welchen sie sich nicht erklären konnte.

Ich denke mal, dass ihr dort, wie auch bei mir, erste Zweifel an einer normalen Adoption gekommen sind. Dass sie das nicht äußern darf, versteht sich, da ihr natürlich die 100%igen Beweise fehlen. Es wird in dieser Beziehung mit Sicherheit kein Vermerk sein. Dazu waren diese Art von Adoptionen mit dem § 249 des Strafgesetzbuches der ehemaligen DDR zu gut getarnt und kriminalisiert wurden. Es wird heute darum gekämpft diese, wo es ein „vorgeschobener“ Grund war, auch als Zwangsadoption anzuerkennen.

Meine  Sachbearbeiterin vom Jugendamt hat selber einmal in Grevesmühlen gearbeitet. Sie kennt dadurch die Erzieherin, welche die Chronik von dort hat und versucht jetzt mal, ob ich in den Chronikbildern zu finden bin. Na, mal abwarten. Außerdem will sie meine leibliche Mutter noch einmal Anschreiben, in der Hoffnung, dass sie sich meldet. Wir haben wenig Hoffnung, aber einen Versuch ist es wert.

Weil sich der DRK-Suchdienst noch mal an das Jugendamt gewandt hatte, rief mich die Sachbearbeiterin noch einmal an. Bei dem Telefonat kam dann raus, das es noch zwei weitere Halbgeschwister von meiner leiblichen Mutters Seite aus gibt. Das andere mit 1962 sollte ihrer Meinung nach ein Missverständnis gewesen sein. Ich habe mit meiner Tochter, welche beim Gespräch mit bei war, gesprochen und sie meinte auch, das es da um 1962 ging. Im Zusammenhang mit der Freigabeerklärung meiner Mutter, von was anderem war da nicht die Rede.

Diese Geschwister sollen 1964 und 1967 geboren sein. Es sind dem zu folge Kinder aus ihrer zweiten Ehe. Leider meinte die Sachbearbeiterin plötzlich, dass eine Heimerziehung nicht auszuschließen sei. Vorher wusste sie von weiteren Geschwistern angeblich nichts??

©:Heidrun