Suche ich oder nicht?

Diese Frage drängte sich immer wieder mal auf, mal stark, mal weniger stark. Dieses wurde 2001, nach dem meine Mutter verstorben ist, immer stärker. Es geht dabei um die Wurzeln und nicht um eine Be- oder Verurteilung der damaligen Entscheidung. Die damalige Zeit war bestimmt auch ein großer Grund, könnte ich mir zumindest vorstellen.

Adoptierte suchen erfahrungsgemäß Antworten auf folgende Fragen:

Woher komme ich?
Was für Krankheiten traten auf?
Habe ich noch Geschwister?
Wo und wie kann ich sie finden?
Was hat die Freigabe zur Adoption für Gründe gehabt?

Adoptierte möchten einfach nur das leere Blatt ihrer Vergangenheit beschreiben können, an das sie sich nicht erinnern können. Dieses trifft besonders auf damalige Säuglinge und Kleinkinder zu, welche in Heimen waren. Genauso geht es mir auch.

Meine Heimzeit wird ein weißes Stück Papier bleiben, da ich bis jetzt keinen gefunden habe, der sich bewußt an eine solche erinnern kann. Es könnten ja nur ehemalige Erzieher sein, die dort mal gearbeitet haben. Da es Mittlerweile fünfzig Jahre her ist, habe ich da kaum Hoffnung, einen oder welche zu finden. Denn auch ganz junge Erzieher von damals sind heute schon siebzig Jahre und älter.

Fragen über Fragen treten auf, je näher man sich mit der Vergangenheit beschäftigt. Aber man möchte doch nur Gewissheit haben, was war. Besonders schwierig ist es, wenn die Betreffenden, welche Auskunft geben könnten, schweigen. Meine Herkunftsmutter ist leider ein Beispiel dafür.

Sabrina zum Beispiel stand einer Suche auch lange negativ gegenüber. Sie hat für mich Verständnis gehabt und unterstützt mich dabei. Ich habe ihr auch meine Hilfe bei einer Suche angeboten, aber sie wollte nicht.

Dieses kann verschiedene Gründe haben. Es ist einmal die Angst, dass sie uns damit wehtun kann. Angst vor Enttäuschung durch die leiblichen Eltern. Dieses kann aus der frühesten Kindheit durch das verloren gegangene Urvertrauen her rühren. Viele oder die meisten Säuglings- und Kleinstkinder leiden, unterschiedlich stark, darunter. Diesen Aspekt sollte jede angehende Adoptivfamilie beachten.

Sabrina hat es bei meiner Suche mitbekommen, wie emotional Aufwühlend eine Suche ist. Ich habe auch nie daran gedacht, dass dieses doch einen so belasten kann. Der Suchende muss wirklich auch voll hinter dieser stehen, sonst ist ein Scheitern der Suche vorprogrammiert.

Außerdem rate ich jedem Suchenden sich an eine Person seines Vertrauens zu wenden, die ihm dann hilfreich zur Seite steht. Eine selber Betroffene/r ist von Vorteil, weil dieser sich mit der Thematik auskennt und das entsprechende Feingefühl hat. Außerdem haben die Betroffenen untereinander ein besonderes Verständnis, was nur sie haben.

Ich denke so ist jeder verschieden und muss es für sich selber entscheiden. Eine Weile nach meiner Suche gab sie dann auch ihre Zustimmung für die Suche nach ihren Eltern und Geschwister.

Durch den Tot meines Vaters im August 2006 bin ich in ein tiefes Loch gefallen und entschied mich dann im Dezember 2006 für die Suche. Ich bin eine Adoptierte, die sich erst nach fast fünfzig Jahren, auf die Suche nach den Wurzeln gemacht hat.

©: Heidrun