Persönliche Suche

Da mir das alles zu lange dauerte, die Wochen vergingen bald wie Jahre, und ich ja ein Auskunftsrecht über meine Herkunft habe, entschloss ich mich selber auf „Spurensuche“ zu gehen. Dieser Entschluss stand schon vor dem ersten Gespräch beim Jugendamt fest.

Über ein Internetforum erhielt ich viele wertvolle Tipps und Hinweise. Ich habe dann versucht, für mich das Beste herauszufinden, denn jede Adoption liegt doch etwas anders. Das heißt, man kann nicht alles verallgemeinern. Das Forum war für mich persönlich eine sehr große Hilfe, denn einer hatte immer einen Rat, wie es weiter geht oder munterte einen wieder auf, wenn es mal nicht so lief und man einen Tiefpunkt hatte. In diesem Forum handelte es sich auch fast ausschließlich um selber Betroffene.

Im Internet sollte man aber auch sehr gut aufpassen und differenzieren können. Ich hatte mich in einem Forum von Herkunftsmüttern angemeldet, denn ich wollte auch diese Seite besser verstehen lernen. Leider wurde ich da sehr enttäuscht, da dort oft die Adoptiveltern und sogar auch die ehemaligen Adoptivkinder diskriminiert wurden. Dort habe ich mich dann auch ganz schnell nie wieder sehen lassen.

Als erstes dann, wie geplant, zum Heiratsstandesamt meiner leiblichen Eltern. Dort erhielt ich ohne Schwierigkeiten die Eheurkunde, mit dem Vermerk, dass die Ehe geschieden wurde. Auf dieser Urkunde waren jetzt die Geburtsdaten und die Standesamtnummern meiner leiblichen Eltern vermerkt. Das war ein riesiger Fortschritt bei der Suche. Dies war von mir erwartet worden. Nun konnten wir weiter planen.

Als nächstes fuhren wir dann zum Geburtenstandesamt meiner Mutter. Die wichtigste Mitteilung war dort, dass es keinen Sterbeeintrag gab. Das heißt, sie lebt noch. Da sie durch das Jugendamt gefunden wurde, war das keine neue Information für mich. Dort erfuhr ich dann weiterhin das sie ein zweites Mal geheiratet hat und wo. Den neuen Familiennamen teilte sie uns nicht mit, wir hatten allerdings auch nicht danach gefragt. Wissen hätten sie den müssen, da beim Geburtenstandesamt alle Änderungen zusammen kommen und und als sogenannter Randvermerk vermerkt werden.

Unsere Reise ging dann zum nächsten Standesamt, in dem die Trauung der zweiten Hochzeit durchgeführt wurde. Dort mussten wir einen Moment warten. Diese Zeit kam uns mal wieder wie eine Ewigkeit vor. Ich hoffte nur, dass sie nicht Müller, Lehmann oder Schmidt heißt. Auch dort eine sehr nette und kooperative Beamtin. Sie sagte mir gleich ihren neuen Familiennamen. Sie hatte einen sehr seltenen Doppelnamen. Das war eine Erleichterung für mich. Außerdem erfuhr ich, dass ihr zweiter Ehemann verstorben ist und, was für mich sehr wichtig war, wo. Dieses lag so im Radius von circa 100 km, wie die Sachbearbeiterin im Jugendamt uns gesagt hatte.

Sie gab mir auch die Adresse vom Einwohnermeldeamt. Wir waren somit bei unserer Suche im Jahr 2001 angekommen, also einen großen Schritt nach vorne. Insgeheim hofften wir, dass sie dort noch wohnhaft ist.

Nach dem wir so erfolgreich waren, genehmigten wir uns ein gemütliches Abendessen. Wir sind in einer kleinen Gaststätte eingekehrt. Gegen 20.00 Uhr zu Hause angekommen, wurde dann von mir gleich der PC von Sabrina „gestürmt“ und der komplette Name und Ort im Internettelefonbuch eingetragen.  –> weiter lesen

©: Heidrun