Leibliche Mutter

Am 02.05. 2007 schrieb das Jugendamt meine leibliche Mutter an. Mit dem Wunsch einer Kontaktaufnahme von meiner Seite aus. Auf Grund des Erbrechtes besorgte ich mir bei einem Notar einen Termin. Dabei ging es in erster Linie um die Ablehnung des Erbes, welches innerhalb von sechs Wochen nach Kenntnis erfolgen muss. Dieser Termin war dann am 01.06.2007. Der Notar bestätigte mir, dass das mit dem Erbrecht stimmt. Er nahm die Ablehnung des Erbes an.

Ich fragte dann noch, ob ich ein Recht hätte, zu Wissen, wer noch Erbe ist. Seine Antwort war „Ja, ihre Mutter muss Auskunft geben“, da ich mit ihren anderen Kindern in diesem Falle gleichgestellt bin. Er machte den Vorschlag, sie sofort anzuschreiben. Dieses lehnte ich erst einmal ab, weil ich selber den Tag einen Brief an sie geschrieben und in den Postkasten getan hatte. Ich wollte ihr die Möglichkeit geben, auf diesen eine Antwort zu geben. Der Brief vom Jugendamt blieb bis dahin von ihr unbeantwortet. Wir einigten uns, dass er mindestens 14 Tage warten möchte.

Zu Hause kam mir die Idee, dass das Jugendamt einige Informationen hatte. Rief dann meinen Rechtsanwalt & Notar an und gab ihm die Kontaktdaten durch. Er wollte dann über das Jugendamt gehen.

Wir einigten uns auf den 15.06.2007 für einen neuen Termin. Leider konnte ich aus beruflichen Gründen den Tag den Termin nicht wahrnehmen. Er wurde auf den 18.06.2007 verschoben. Da erfuhr ich, dass er meine leibliche Mutter am 07.06.2007 bereits angeschrieben hatte, ohne das ich es wollte. Darüber wollten wir uns jetzt, bei diesem Termin einigen. Natürlich war ich erst einmal richtig sauer eingelegt, wie man so schön sagt. Auf den Brief vom Jugendamt und meinen Brief noch keine Reaktion von meiner leiblichen Mutter.

Sch… kram, was mache ich nun??

Ich war der Meinung, es ihr erklären zu müssen. Fasste mir ein Herz und rief an, denn die Telefonnummer hatte ich ja. Ich hatte sie auch gleich am Telefon. Nach meiner Vorstellung erfuhr ich eine ablehnende Haltung von ihr. „Sie muss nicht und sie will nicht.“ Das waren die Worte meiner Mutter.

Ich kam mir vor wie ein zweites Mal abgegeben. Dieses nach etwas über 49 Jahren. Das war echt sehr niederschmetternd. Es ist so, dass ich die Entscheidung einer Kontaktablehnung akzeptieren muss, auch wenn es sehr schwer ist und für einen selber kaum nachvollziehbar erscheint. Es ist sehr schwer, dieses zu verstehen.

Dann, etwas zur Ruhe gekommen, habe ich mir den Brief vom Rechtsanwalt noch einmal genau angesehen und festgestellt, dass er den alten falschen Familiennamen verwandt hatte. Sie hatte den Brief gar nicht bekommen können. Das wurde mir dann später auch bestätigt.

Es war vielleicht ein bisschen unüberlegt von mir mit dem Anrufen. Sie konnte sich ja nicht darauf einrichten, dass ich anrufe. Inzwischen wusste sie ja seit sechs Wochen, dass ich sie suche und Kontakt aufnehmen möchte. Ich möchte doch die Fragen meiner Wurzeln geklärt haben. Es ist im Vergleich zu 49 Jahren natürlich eine verdammt kurze Zeit. Mir kamen die sechs Wochen unendlich lang vor. Die Gefühle fuhren mal wieder Achterbahn, aber das kannte ich nun schon. Es tauchen immer mehr Fragen auf.

So weit wie ich das kurze Telefongespräch einschätzen kann, kam sie mir nicht vor, als wenn sie sehr erschrocken war. Geistig schien sie mir auch auf der Höhe zu sein, denn sie wusste genau wer am Telefon war. Aber sie schien mir psychisch Krank zu sein.

Nach ein paar Tagen Ruhe wollte ich es nicht dabei bewenden lassen und entschloss mich noch einmal einen etwas ausführlicheren Brief zu schreiben.

Wir haben heute schon den 21.11.2007 und immer noch keine Reaktion meiner leiblichen Mutter. Ich glaube auch nicht mehr daran, dass es zu einem Kontakt kommen wird. Wenn sie sich meldet, bin ich jederzeit zu einem Kontakt bereit. Da meine Mutter den Kontakt anscheinend generell Ablehnt, versuche ich nun mindestens meine zwei älteren Brüder zu finden.

©: Heidrun