Lebendgeburt, Totgeburt, Fehlgeburt

THEMA 1: Lebendgeburt, Totgeburt, Fehlgeburt
Staatliche Fachkommission zur Senkung der Säuglingssterblichkeit

Die entsprechenden Definitionen ergeben sich aus der Anordnung über die ärztliche Leichenschau sowie aus der Verordnung zur Ausführung des Personenstandsgesetzes (nicht zu verwechseln mit dem Personenstandsgesetz im eigentlichen Sinne).

Als LEBENDGEBURT gilt ein Neugeborenes, bei dem nach Verlassen des Mutterleibes und Durchtrennung der Nabelschnur eines der folgenden Lebenszeichen aufweist:

– Herzschlag
– Einsetzen der Lungentätigkeit/Atmung
– Pulsieren der Nabelschnur auf Seiten des Kindes

Es gab darüber hinaus auch noch eine Festlegung zum Geburtsgewicht. Diese betrug mindestens 1000 Gramm (ab 1994 nur noch 500 Gramm). Diese spielte aber bei Vorliegen eines o.g. Lebenszeichens keine Rolle. Wenn eines der Lebenszeichen vorhanden ist/war, galt es als Lebendgeburt, unabhängig vom Geburtsgewicht.

Für die Feststellung einer Lebendgeburt genügt es, wenn eines der Lebenszeichen vorhanden ist. Unabhängig davon, wie lange dieses oder diese Lebenszeichen vorhanden sind. Allerdings hat die DDR im Jahr 1957 festgelegt, dass mindestens zwei der Lebenszeichen vorhanden sein müssen, um als Lebendgeburt zu gelten. Dies hatte im Wesentlichen zwei Gründe:

Zum einen hatte die damalige DDR kurz vorher die Aufwendung für ein neugeborenes Baby von 100 auf 500 DM angehoben und das hatte erhebliche Löcher in die Finanzwirtschaft gerissen. Und zum anderen wollte man – im Vergleich zum Westen – die Statistik schönen. Nach der Devise: Je weniger lebendgeborene Babys sterben, um so besser die Statistik in der Säuglingssterblichkeit.

Als TOTGEBURT galt ein Neugeborenes mit einem Geburtsgewicht von über 1000 Gramm, welches keines der 3 Lebenszeichen aufwies. Ein Neugeborenes ohne Lebenszeichen und einem Geburtsgewicht unter 1000 Gramm galt als FEHLGEBURT.

Die sogenannte Fachkommission zur Senkung der Säuglingssterblichkeit wurde in der DDR 1958 ins Leben gerufen. Sie agierte vornehmlich auf Kreis- und Bezirksebene. Ursprünglich war es die Aufgabe dieser Kommission, die Ursachen für Säuglingssterbefälle heraus zu finden und die entsprechenden daraus resultierenden Maßnahmen für das Gesund-heitswesen der DDR zu erarbeiten. Fragwürdig ist nur, dass heute keinerlei Unterlagen dieser Kommission mehr auffindbar sind.

Wir selbst haben in unserer Akte einen – von 3 Ärzten unterzeichneten – Bericht an diese Kommission, zum angeblichen Tod von Olaf. Ich habe in den letzten 10 Jahren versucht über sämtliche Gesundheitsbehörden bis hin zum Bundesgesundheitsministerium
Unterlagen oder Dokumente zu dieser Kommission ausfindig zu machen. Leider ohne Erfolg…

Jeder hat mir bestätigt, dass es diese Kommission gegeben habe, aber es sind nirgendwo in einem Archiv irgendwelche Unterlagen zu finden. Als hätte es diese Kommission nie gegeben.

Eckbert Bormann, Bautzen