Ein Einzelfall?

Von Adoption sind vor allem das Adoptivkind und die Adoptiveltern betroffen. Sie müssen mit der Adoption leben und das Leben damit gestalten.

Das Andere sind nur Reden beziehungsweise Mutmaßungen. Das betrifft vor allem die leiblichen Familienmitglieder, die Ämter und freien Wohlfahrtsverbände, Experten unterschiedlicher Fachrichtungen und die grundsätzlich desinteressierte Öffentlichkeit, die zumeist sich nur aus fadenscheinigen Gründen heraus sich für Adoption überhaupt interessieren. Mit anderen Worten, In der adoptierten Welt leben Adoptivkind und Adoptiveltern, alle Anderen kreisen wie „Satelliten“ um diesen kleinen Kosmos.

Während sich die einen, die Satelliten auf ihre äußere (!) Wahrnehmung und ihr wirkliches oder angenommenes „Wissen“ pochen, ist das Medium (Informationsträger), die Ressource für Adoptivkind und –Eltern, das Leben selbst, die konkrete Lebenserfahrung, mit anderen Worten: eine Innenansicht von Adoption.

Diese entzieht sich zu großen Teilen jeglicher äußeren Wahrnehmung durch Dritte, so dass die oben genannten. „Satelliten“ nur sehr eingeschränkt, wenn überhaupt eine Vorstellung entwickeln können, was Adoption für Kind und Eltern bedeutet. Wie in der veröffentlichte Literatur ganz unterschiedlicher Qualität und im Internet zu lesen, ficht das jene wenig oder gar nicht an. Ohne die Selbsterkenntnis mit was sie da „handeln“, sog. „Alltagstheorien mit kaum Reichweite“ geben sie Ratschläge und erklären „der Welt“ was gut oder was schlecht ist an Adoption. Nachteil ist, dass diese Alltagstheorien mit den Persönlichkeitsmerkmalen ihrer Verfasser korrelieren, sprich: welcher Schulabschluss und welche emotionale Intelligenz beim jeweiligen Verfasser einer Alltagstheorie vorliegt, bestimmt auch Qualität der Alltagstheorie zu nahezu 100%. Nur so ist es zu erklären, dass sich selbst im 21. Jahrhundert offene Kinderfeindlichkeit in Diskussionsforen finden lässt, die sich selbst mit der Vorsilbe „human“ ausgestattet haben.

Habe ich aber keinen Zugang zu primären Informationen bleibt nur der Weg zur Wissenschaft. Zu empirischen Erhebungen die mit dem steten Bemühen um Neutralität angefertigt wurden. Selbst dort ist aber Vorsicht geboten. Auch Wissenschaft wird in unterschiedlicher Qualität und Güte betrieben. Z.B. wenn eine „Wissenschaftlerin“, die selbst ein Kind zur Adoption abgegeben hat, dies ihrem Auditorium verheimlicht und ihre normative Motivation auf fast jeder Seite ihrer „wissenschaftlichen“ Untersuchungen zu erkennen ist. Das ist dann bestenfalls noch ein normatives Essay, was als Ergebnis von Wissenschaft verkauft werden soll.

So bleibt nur der Weg zu den Wissenschaften, die sich mit Kindheit und sozialem Leben auch unabhängig von Adoption beschäftigen. Dort findet man allerdings ausreichend Material, das in der Lage ist, den (eigenen) Alltagstheorien Einhalt zu gebieten. Wenn man diese Untersuchungen denn kennt und in der Lage ist, sie zu verstehen. Letzteres ist ebenfalls an Persönlichkeitsmerkmale gebunden.

Im Internet sollen diese Persönlichkeitsmerkmale – daher das Erfolgsmodell „Anonymität“ via Nickname“ keine Rolle mehr spielen. Erste Risse hat die gesellschaftliche Politik des „piep piep wir haben uns alle lieb und wir sind alle gleich“ durch den Rütli- Diskurs erhalten, der sich fortsetzt.

Ein grundlegendes Missverständnis ist, dass die leiblichen Familien meinen, dass jetzt die Zeit angebrochen wäre, in denen ihnen eine neue Rolle im Adoptionsprozess zugesprochen werden würde. Was die „Satelliten“ untereinander diskutieren, hat für den „inneren Kosmos“ von Adoption keine Bedeutung, auch wenn dieser sich noch nicht nachhaltig artikuliert hat.

Deutlich wird das am „Konzept“ offene Adoption, die Adoption zu einem Pflegekindfall mit anderen Vorzeichen erklären will. Das ist nicht zu Ende gedacht und geht an den Interessen des Adoptivkindes und der Adoptiveltern vorbei, die zeitweilig verunsichert, eine einheitliche Position noch nicht gefunden haben.

Alle Anzeichen, dass Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen DÜRFEN, verstärken sich in jüngster Zeit, trotz bzw. wegen dieser Pseudoliberalisierungsdebatte, die letztlich eine Scheindebatte ist. So ist es doch gerade die Zunahme der durch ihre leiblichen Eltern verwahrlosten Kinder, die ein Wegfall von Adoption unmöglich macht. Die in jüngster Zeit geschaffenen finanziellen Anreize für das Bekommen von Kindern hat nichts an der Unfähigkeit zur sozialen Elternschaft bestimmter Kreise geändert, im Gegenteil. Es ist zu erwarten, dass sich dies durch die finanziellen Anreize verschärft.

Es wird noch eine Weile dauern, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass leiblichen Eltern von Adoption gar nicht betroffen sind, es sei denn sie wurden selbst adoptiert, Einzelfälle gibt es. Auch wenn sie uns das z.B. im Internet Glauben machen wollen bleibt da ein riesiges Glaubwürdigkeitsdefizit, das offen zu Tage tritt, wenn vereinzelte Vertreter der leiblichen Familien, wie z.B. die hier bekannte Forumsteilnehmerin „B.“ ihre Kinderfeindlichkeit so gar nicht mehr verbergen können (Stichworte: Kuschelsklaven, Kinderschafott etc.). Eine noch deutlichere Sprache spricht die Tatsache, dass nur 5% aller Adoptivkinder sich überhaupt einen Kontakt zu ihren leiblichen Eltern hergestellt haben und die meisten von ihnen, von diesen entweder gar nicht „empfangen“ wurden oder von sich aus den Kontakt wieder abgebrochen haben.

Das heißt nicht, dass es nicht auch anders ginge. Nach dem Vollzug der Adoption, sprich, wenn das Adoptivkind erwachsen geworden ist, liegt es im Ermessen beider Seiten ob und wie eine Art Verhältnis aufgebaut werden kann, was nur auf „Augenhöhe“ möglich sein wird.

Niemand hat zwei Mütter, zwei Väter.
Niemand will zwei Mütter, zwei Väter haben.

© CB