Der erste Termin bei Jugendamt

Ich hatte einen Termin beim Jugendamt zum 22.05.2007 um 11.00 Uhr vereinbart. Ich teilte ihr auch mit, dass meine Tochter mich begleiten wird. Das fand sie sehr schön und auch richtig, wenn man eine Begleitperson mitbringt.
 Schon als ich nach Schwerin zu Sabrina fuhr, war ich sehr aufgeregt und eine seltsame innere Unruhe überkam mich. Irgendwie ganz komisch.

Am Abend durch die Gespräche mit Sabrina und ihrer Freundin wurde ich dann etwas abgelenkt. Wir sprachen natürlich auch ab, was und wo wir was erledigen mussten, Änderungen waren je nach neuen Informationen inbegriffen.

Als erstes mussten wir den Termin beim Jugendamt einhalten, weil wir dort ja erwartet wurden. Als nächstes stand dann das Standesamt in Wismar auf dem Programm, da dort meine Eltern geheiratet hatten und wir dort an die Geburtenstandesämter meiner leiblichen Eltern rankommen müssten, da diese dort vermerkt sind. Nach diesen Informationen mussten wir dann erst einmal sehen, wie dann unser Plan aussieht.

Beim Jugendamt erhielt ich die Information, dass es mindestens noch zwei ältere Geschwister gebe. Aber aus Gründen des Datenschutzes gar keine weiteren Informationen. Eine Mitteilung gab mir meine Sachbearbeiterin noch mit auf den Weg, das es sich in einen Umkreis von ca. 100 km handelt, in dem meine Mutter lebt. Das Gespräch war in meinen Augen sehr lang, aber nicht sehr viel sagend.

Man musste aber wirklich sehr gut zuhören, um versteckte Hinweise zu erkennen. Dies wurde bei weiteren Kontakten mit meiner Sachbearbeiterin immer deutlicher. Ich habe es ihr auch angemerkt, dass sie mir gerne mehr helfen wollte, aber ihr leider die Hände gebunden waren. Dieses besonders in Bezug auf meine Geschwister. Meistens bestätigte sie dann nur, was man selber herausgefunden hat. Dies auch manchmal sehr „versteckt“. Da gibt es nämlich kein Auskunftsrecht über Geschwister, nur über die leiblichen Vorfahren. Das heißt nur über die Eltern.

Es ist wirklich kaum zu verstehen, denn es finden sich gerade Geschwister besser zueinander als Eltern mit ihrem zur Adoption freigegebenen Kind. Gerade viele abgebende Mütter denken nicht gerne an diese Zeit zurück. Sie haben vielleicht Angst, Schamgefühle, weil die Familie, wie zum Beispiel Kinder oder neue Partner nichts davon wissen. Sie verdrängen es sehr weit nach hinten. Plötzlich meldet sich das Kind und sie schweigen dann. Sie haben auch dieses sehr weit nach hinten verdrängt, um mit der Situation klar zu kommen.

Geschwister können auch unter Umständen bei der Aufklärung der Ursachen einer Adoption oder gar Zwangsadoption helfen. Wieso ich darauf komme, steht in einem späteren Kapitel. Ein weiterer Grund ist meiner Meinung nach die „Neutralität“, die den Unterschied macht. Sie sind gerade in der Sache unbefangen, sie haben keinen Anteil an der Entscheidung ihrer Eltern oder Gerichte.

©: Heidrun