Clearingstelle Zwangsadoption

In der DDR hat es Fälle politisch motivierter Kindesentziehungen gegeben. Als Mittel staatlicher Verfolgung wurden Bürger der DDR, die sich dem Herrschaftsanspruch der SED widersetzt haben, dauerhaft von ihren Kindern getrennt. Diese sollten in einer „ordentlichen“, einer systemkonformen Familie aufwachsen. Unter dem Begriff „Zwangsadoptionen“ ist diese Vorgehensweise bereits Mitte der siebziger Jahre in der Bundesrepublik Deutschland bekannt geworden. Über die politischen und rechtlichen Hintergründe konnten zunächst nur Mutmaßungen angestellt werden.

Sowohl vor als auch nach der Wiedervereinigung Deutschlands erschienene juristische und historische Publikationen zum Familienrecht der DDR beschränken sich weitestgehend auf die Vermittlung allgemeiner Grundsätze zur damaligen Entwicklung und Ausgestaltung dieses Rechtsgebiets. Damit tragen sie zum Grundverständnis des sozialistischen Familienrechts und seiner geschichtlichen Wurzeln bei.

Bedingt durch die unzureichende Quellenlage war es vor 1991 schwierig, näher auf den Themenbereich der politisch motivierten Kindesentziehungen und Adoptionen einzugehen. So wurde die Problematik entweder gar nicht genannt oder nur am Rande, mit bisweilen anzweifelndem Unterton erwähnt. Lediglich der „Der Spiegel“ berichtete in drei in den siebziger Jahren erschienenen Artikeln über dieses Thema. Die daraus hervorgehenden Informationen waren einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung jedoch nicht dienlich.

Quelle:  Bundesstiftung Aufklärung