Akteneinsicht/ Erkenntnisse

Ich bekam nun einen großen Brief vom Landgericht mit den angeforderten Kopien aus meiner Akte. Unter anderen meinen Adoptionsvertrag, ein paar kleinere Schriftstücke und einige Krankenhausdaten waren dabei.

Mit diesen Dokumenten wurden die Aussagen der Staatsanwaltschaft belegt. Diese waren jetzt vom Jugendamt. Ich hatte bis jetzt andere Unterlagen zur Verfügung und zwar die vom Gesundheitsamt. Diese Differenzen waren, durch die Gespräche mit dem Jugendamt, nicht ganz neu für mich. Daraus ergaben sich für mich keine großen wichtigen Neuigkeiten.

In meiner Stellungnahme wies ich auf diese wichtigen Differenzen hin und bat um Aufklärung. Nachdem ich einige Unterlagen Mitte Dezember erhielt fehlten mir die Unterlagen, welche die Inhaftierung meines leiblichen Vaters betreffend immer noch. Diese bekam ich nach meiner nochmaligen Anforderung, ich glaube das war mein vierter Versuch, gleich Anfang Januar 2012 in Kopie zugeschickt. Das war das Urteil von 1956 und die Bestätigung seiner Rehabilitierung durch das Bezirksgericht Schwerin von 1994.

Aus dem Urteil war zu entnehmen, dass er Militärspionage betrieben hat und die damalige innerdeutsche Grenze mehrmals illegal überschritten hatte. Dieses führte dann zu seiner Freiheitsstrafe, welche er in mehreren Zuchthäusern verbüßte. Das waren anderthalb Jahre die er in Zuchthäusern verbüßen musste.

Was als ein ganz neuer wesentlicher Fakt hinzu gekommen ist, dass er die Grenzverletzungen nicht immer alleine beging. Es waren teilweise meine leibliche Mutter, ihre Mutter und wie es dort stand auch seine Kinder mit dabei. Zu der damaligen Zeit lebte, nach meinem Wissen, aber nur mein einer älterer Bruder. Gibt es da vielleicht noch Einen oder Eine? Was mich ehrlich gesagt auch schon nicht mehr wundern würde.

Die Grenzübertritte meiner Mutter wird der damaligen Staatssicherheit mit Sicherheit nicht entgangen sein und sie deshalb auch von dieser beschattet wurde. Ich glaube auch nicht das sie Straffrei davon gekommen ist. Das Fazit aus dieser Studie ist, dass es sich für mich doch um eine 100%ige Zwangsadoption handelt.

Da meine leibliche Mutter noch lebt komme ich nicht an ihre Akte von der BSTU ran, da ich nur einen Antrag als Dritter stellen kann und da nur sehr begrenzte Auskunft, nur was meine eigene Person betrifft, bekommen würde. Diesen hatte ich 2008 schon einmal gestellt und zur Antwort bekommen, dass keine Akte von ihr existiert. Dieses hatte ich selber angezweifelt. Fakt ist auch, dass sehr viele Akten doch vernichtet wurden.

Im Rahmen meiner erneuten Stellungnahme habe ich das Landgericht auf diesen doch neuen und wesentlichen Fakt hingewiesen und um Aufklärung gebeten. Ich werde aber nicht tatenlos sein sondern werde mich an die Landesbeauftragte für Unterlagen der Staatssicherheit Mecklenburg- Vorpommern wenden.

Meine Eltern haben damals von Ende 1957 bis Anfang 1964 getrennt gelebt und das ist ein bisschen unnormal in meinen Augen. Mein Vater war schon längst mit seiner späteren Frau zusammen und hatte mit ihr drei Kinder zusammen. Ob das mit der ganzen Vorgeschichte zu tun hat weiß ich nicht aber unmöglich wäre es nicht.

©: Heidrun