Aufruf an die Adoptiveltern

Meine Erfahrung

Fakt ist, dass Sie über das zu vermittelnde Kind so gut wie nichts erfahren!!
Wir haben gerade mal den Namen und vom Jugendamt auch noch ein falsches Geburtsdatum erhalten.

MEHR NICHT!!

Gründe, waren wie sehr oft: Inhaftierung, Alkoholmissbrauch und asoziales Verhalten. (passt sehr oft)

Wenn Sie bei der ersten Kontaktaufnahme sind, hinterfragen Sie in der Regel keine genauen Einzelheiten zur Herkunft des Kindes. Da sind ihre Gedanken ganz woanders. Außerdem  darf man nicht vergessen, dass es zur damaligen Zeit keine offenen oder halboffenen Adoptionen gab.

Im Heim haben wir dann etwas mehr erfahren, da waren die Schwestern etwas gesprächiger. Da wurde uns dann auch das Geburtsdatum korrekt genannt. Dort haben wir dann erfahren, dass es noch drei Geschwister im Heim gab. Sogar mit Altersangabe!! Damit hatten wir dann auch Anhaltspunkte für unsere „Aufklärungsarbeit“, was aus heutiger Sicht sehr wichtig war.
Wir wurden FALSCH aufgeklärt!!! „Sie brauchen das Kind nicht aufklären, alle Papiere werden umgeschrieben“ so das Jugendamt zu uns. Wenn man selber keine Erfahrungen gemacht hat, was macht man denn? … Man vertraut natürlich den Aussagen der Ämter.

Als Adoptivmutter ist es schwer, wann und wie sage ich es dem Kind, wenn man es denn möchte. Es gibt leider bis heute keine Aufklärungspflicht für die Adoptiveltern. Was in meinen Augen ein sehr gr0ßer Fehler ist. Dadurch dass ich selber die Erfahrung als Adoptierte gemacht habe, wie es ist, wenn man es durch Zufall erfährt, weiß ich wie sich Adoptierte fühlen.

Ich habe mich schon öfter mit Adoptierten unterhalten. Dabei habe ich auch die Lage der Adoptiveltern erläutert, weil die Betroffene die Schuld etwas bei ihren Adoptiveltern suchte. Dabei kam dann raus: „Dann haben wir unseren Adoptiveltern wohl Unrecht getan. Viele gehen davon aus, dass wir als Adoptiveltern alles zu Wissen bekommen.

Klären Sie die Kinder auf jeden Fall auf!! Beantworten Sie die Fragen der Kinder und Jugendlichen immer verständlich vollständig und richtig. Adoptierte haben ganz feine Antennen, auch wenn man ihnen nicht alles erzählt, sie spüren das. 

Des weiteren steht fest, dass es immer einer aus der nächsten Umgebung mitbekommt, sprich Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte und nicht zu letzt Ämter und auch Ärzte.

Die Adoptiveltern haben auch ihre Ängste. Manche möchten nicht, dass es an die Öffentlichkeit kommt um als „heile“ Familie dazustehen. Was selten klappt, da es immer Leute gibt die es mitbekommen. Sie haben genauso, wie ihre Adoptivkinder Verlustängste. Für sie ist es in der Regel sehr schwer sich vom Kind abzunabeln, was eigentlich ein natürlicher Prozess ist.

Es gibt solche und solche Adoptiveltern, wo gibt es das nicht. Aber ich behaupte, dass diese alles versuchen, den Kindern eine gute und unbeschwerte Kindheit zu geben. Ich kann sagen, dass es meinen Adoptiveltern sehr gut gelungen ist, auch wenn sie den Zeitpunkt der „Aufklärung“ verpasst hatten. Grund war u. a. das ich die Geschichte nicht hören wollte, welche meine Mutter mir damals erzählt hat und damit hatte sie ihr geplantes Ziel leider verpasst.

Bei meiner Tochter habe ich es geschafft. Etwas leichter war es dadurch, dass ich mit meiner eigenen „Geschichte“ anfangen konnte und dann überleitete. Meine Eltern und wir haben es ihr vorgelebt, wie es funktionieren kann. Natürlich war es ein sehr großer Vorteil für mich. Ich weiß, es ist sehr schwer, aber für das Kind sehr, sehr wichtig!
Wir haben es ihr im jungen Schulalter gesagt und haben damit die besten Erfahrungen gemacht. Den Aufruf an die Adoptiveltern möchte ich mit einer Aussage einer weiteren Adoptivmutter ergänzen:

© Heidrun

Katzorke, IrmgardIrmgard Katzorke hat folgendes geschrieben 

 

Wir haben damals unseren Sohn mit 11 Monaten Adoptiert zu DDR Zeiten….. Wir was völlig normal ist haben es auch unseren Sohn lange Zeit verschwiegen den es ist ein sehr heikles Thema…… Ich gehe da von meinen Erfahrungen                                                 aus….

Stell Dir mal vor Du kommst als sehr kleines Kind in eine völlig fremde Familie man gewöhnt sich da. Dich umgibt dich mit viel Liebe zieht dich auf und sieht dich heranwachsen….. Und plötzlich gilt das alles nicht mehr…. Plötzlich sind dann von irgendwo her deine Leiblichen Eltern da… Du musst entscheiden zu wenn Du wirklich gehörst…

Es ist nich leicht….. Da unser Sohn aus eine Kinderreichen Familie kam (7 Geschwister hatte) war uns wichtig das er den Kontakt hielt…. Bedingt durch Wohnwechsel schlief diese Beziehung ein. Irgendwann stand das Thema auch nicht mehr. Für unseren Sohn sind wir seine Eltern und wir lieben ihn so wie er ist….

Ich möchte noch was sagen. Im Jahr 2014 lernte unser Sohn bei Facebook seine Leibliche Schwester nach fast 40 Jahren kennen…. Zwei völlig verschieden Menschen stehen sich als Fremde gegenüber. Denn diese Beziehung, in welcher Anfangs lief alles Super, aber jeder der Beiden hatte eine andere Vorstellung vom Leben und so zerbrach diese Beziehung….

Deshalb geb deinen Adoptiveltern Zeit, mit dieser Situation um zu gehen…. Ich glaube nicht das Sie dich verlieren möchten… Sie lieben dich wie du bist und haben dich zu dem gemacht was Du heute bist….

Alles gute Irmchen

© Irmgard